fdb – Forschungsdatenbank der Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder)

Tagung

Prof. Dr. Andreas Reckwitz: Kulturen der Kreativität. Entwicklungen, Wirkungen, Perspektiven

Projektleitung Prof. Dr. Andreas Reckwitz
ProjektmitarbeiterInnen Hannes Krämer, Anna-Lisa Müller
Date 22/11/2012 - 23/11/2012
Fakultät Kulturwissenschaftliche Fakultät
Lehrstuhl Professur für Vergleichende Kultursoziologie

Zusammenfassung

Die Kultur der Kreativität als Kennzeichen spätmoderner Gesellschaften findet ihren Ausdruck in Diskursen und sozialen Praktiken verschiedener sozialer Felder: Sie ist eine Kultur, die von Subjekten, Institutionen und Praktiken, die Verfertigung von Neuem, vor allem von kulturell und ästhetisch Neuem, erwartet und diese mit enormer Faszination versieht. Neben künstlerischen Perspektiven treten dabei psychologische sowie wirtschaftliche Auseinandersetzungen um Kreativität auf. Als gesellschaftliche Anforderung ist Kreativität ein Diskursphänomen mit konkret beobachtbaren Ausprägungen in der Gesellschaft und mit Wirkungen auf diese. Gesamtgesellschaftlich wird Kreativität zu einem maßgeblichen Element von Selbst- und Fremdzuschreibungen der Gesellschaftsmitglieder und auf diese Weise Bestandteil der Gegenwartskultur. Daraus resultierend verändern sich sowohl die alltäglichen und professionellen Kontexte als auch die räumlichen Orte: Städte werden genauso als kreativ beschrieben wie Berufsfelder, soziale Beziehungen und Freizeitaktivitäten, und schließlich ist die creative class als gesellschaftlich und ökonomisch bedeutsame Gruppe westlich-industrialisierter Gesellschaften ausgerufen worden (Florida 2004), die urbane Umwelten zu creative centers (Florida 2005, 35) werden lässt bzw. lassen kann. Dabei lassen sich zwischen den verschiedenen sozialen Feldern Ähnlichkeiten, aber auch deutliche Unterschiede feststellen, die die Integration von Kreativität betreffen. Der Kreativitätsdiskurs in diesen Feldern trifft auch auf spezifische Formen des Widerstands zu, welche sich in (performativen) Praktiken äußern, die auf das Unterlaufen der hegemonialen Anforderungen zielen. Im Workshop soll in offener Form unterschiedlichen Facetten des kulturellen Phänomens der Kreativität nachgegangen werden: Welche historischen Linien lassen sich identifizieren, die dazu beitrugen, dass die Orientierung an Kreativität zu einem Merkmal heutiger, westlich-industrialisierter Gesellschaften wurde? Wie verändern sich Selbstbeschreibungen und Anforderungen im Feld der Kunst als einem der Ursprungsfelder der Beschäftigung mit Kreativität? Welche Entwicklungen und Spannungen lassen sich in der Kreativwirtschaft nachzeichnen? Welche Gestalt nehmen die Räume und Orte der ‚Kreativen’ an? Und schließlich: Welche Veränderungen treten in der wissenschaftlichen, künstlerischen und gesellschaftlichen Reflexion dieses Phänomen auf? WissenschaftlerInnen aus unterschiedlichen Spezialfeldern nehmen im Workshop diese Fragen sowohl theoretisch als auch empirisch unter die Lupe.