fdb – Forschungsdatenbank der Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder)

Vortrag

Dr. Jutta Wimmler: Der schlagende Teufel. Westafrika und die frühneuzeitliche Dämonologie

VortagendeR Dr. Jutta Wimmler
Tagung IFK
Ort Wien
Jahr 2013

Zusammenfassung

In frühneuzeitlichen Westafrika-Berichten und Briefen findet sich die kuriose Vorstellung einer Misshandlung der Bevölkerung durch den Teufel: Dieser zwinge die Afrikanerinnen und Afrikaner durch den Einsatz körperlicher Gewalt (speziell durch Schläge) zur Untertänigkeit, tatkräftig unterstützt von den „Fetisch-Priestern und Priesterinnen“ der Region. Ähnliches lässt sich in zeitgenössischen Amerika-Berichten nachlesen, wo diese erzwungene Untertänigkeit sogar als Sklaverei interpretiert wurde. In Europa war die Frage, ob der Teufel in dieser Welt physisch wirksam werden kann, umstritten. Er war Verführer, Unruhestifter, gar „natürlicher Magier“ – aber kein gewalttätiger Sklavenhalter. Doch irgendwo zwischen Europa, Afrika und Amerika entwickelte sich diese Vorstellung. War es die Reflexion über die – mit Ausnahme des Königreichs Kongo – weitgehend erfolglose Missionstätigkeit in Westafrika, die diese Idee aufkommen ließ? Oder kommentierte man damit gar in subversiver Weise den aufkommenden Sklavenhandel? Eine Analyse dieser Uminterpretation katholischer Dämonologie im Missionskontext beantwortet nicht nur diese Fragen, sondern eröffnet tiefere Einblicke in die Wandelbarkeit ideologischer Konzepte und die Rückwirkungen des europäisch-afrikanischen Kulturkontaktes auf ein europäisches Religionssystem.(Vortrag an der Kunstuniversität Linz in Wien, Österreich)

Einordnung in die Universitätsstruktur

Fakultät Kulturwissenschaftliche Fakultät
Lehrstuhl Vergleichende Europäische Wirtschafts- und Sozialgeschichte