fdb – Forschungsdatenbank der Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder)

Forschungsprojekt

Prof. Dr. Annette Werberger: Ungleichzeitigkeiten in der Moderne

Projektleitung Prof. Dr. Annette Werberger
ProjektmitarbeiterInnen Josephine Kujau, M.A.
Time span 01/2015 - 12/2015
Fakultät Kulturwissenschaftliche Fakultät
Forschungsinstitute und -zentren
Lehrstuhl Professur Literaturwissenschaft/Osteuropa
Viadrina Center B/ORDERS IN MOTION

Zusammenfassung

Die Begriffsgenese von ‚Ungleichzeitigen' lässt sich auf die Spätzeit der ersten deutschen Kulturwissenschaften in den 1920er und 1930er Jahren zurückführen. Die Ursprünge aber liegen in der Zeit nach 1789, die als „Inkubationszeit" (Jörn Leonhard) der Ungleichzeitigkeit und als Anfang der medientechnischen Versuche gilt, Gleichzeitigkeit im Zeichen des Fortschrittsgedankens zu erschaffen.

Generell wird auf ‚Ungleichzeitiges' verwiesen, um auf unvollendete Transformationen und Veränderungen aufmerksam zu machen. Die Rede von der ‚Ungleichzeitigkeit' legitimiert oder verbildlicht eine zeitlich gedachte Moderne. Statt ‚Ungleichzeitigkeiten' aber in diesem Sinne allein als Problembegriff für das Modernisierungsgeschehen einzusetzen, soll im geplanten Graduiertenkolleg der Terminus „Ungleichzeitigkeit" auch als analytischer Begriff Verwendung finden. Damit kann die Stabilität, Flexibilität und der produktive Einsatz von Alt-Neu-Einheiten in der Moderne und die oftmals unsichtbar gemachte Kooperation von unterschiedlichen Zeitregimen in der Institutionenbildung, bei kulturpolitischen Aktionen, in Arbeitswelt, Kulturkontakt oder in der Wissenschaftsgeschichte untersucht werden. Dabei werden die Zuschreibungen von vormodernen, amodernen und modernen Zeitlichkeiten kritisch revidiert. Die Offenlegung und Analyse von heterogener Zeitlichkeit in den Feldern der „Verfassung der Moderne" (Latour) anhand der Analyse von praxistheoretischen und soziotechnischen Fallbeispielen bzw. historischen und theoretischen Studien soll zeigen, dass das Zusammenspiel von Arrièregarde und Avantgarde grundlegend für unser modernes Selbstverständnis ist.

Abstract

Project title: Asynchronicities in the Modern Age Project description: The genesis of the concept of ‘asynchronicities' can be traced back to the end of the period when German cultural sciences first emerged in the 1920s and 1930s. Yet its origins lie in the period after 1789, which are considered the "incubation period" (Jörn Leonhard) of asynchronicity and the beginning of attempts by media technology to create synchronicity as an element of the idea of progress. In general, ‘asynchronicity' is used to draw attention to unfinished transformations and changes. Referring to ‘asynchronicity' legitimates or visualises a modern age in the temporal sense. Yet instead of deploying ‘asynchronicities' in this sense, as solely a problematic concept for the events of modernisation, in the planned post graduate program the term "asynchronicity" is also to be applied as an analytical concept. This allows the stability, flexibility and the productive use of unities of old and new in the Modern Age to be investigated, as well as the often concealed co-operation between various time regimes in the formation of institutions, in cultural policy campaigns, in the world of work, in contact between cultures and in history of science. In the process, the attributions of pre-modern, amodern and modern temporalities are critically revised. Revealing and analysing heterogeneous temporality in the fields of "constructed modernity" (Latour) based on the analysis of example cases in science studies and social technology, or on historical and theoretical studies, shall demonstrate that the interplay between the arrière-garde and avant-garde is fundamental for our modern self-conception.

Kooperation

Internationales Projekt Nein