fdb – Forschungsdatenbank der Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder)

Forschungsprojekt

Prof. Dr. Anna Schwarz: Flexibilisierung von Erwerbsarbeit in deutscher und polnischer Perspektive

Projektleitung Prof. Dr. Anna Schwarz, Prof. Dr. Eva Kocher, Prof. Dr. Jochen Koch
Time span 01/2016 - 03/2018
Fakultät Kulturwissenschaftliche Fakultät
Lehrstuhl Professur für Vergleichende politische Soziologie

Zusammenfassung

Aus dem „OECD Employment Outlook 2014“ geht hervor, dass Polen eines der Länder mit dem höchsten Anteil von Menschen ist, die im Rahmen befristeter Verträge beschäftigt sind (über 50% bei jungen Menschen). Waren 1998 in Polen nur knapp 550.000 Personen in befristeten Arbeitsverhältnissen tätig, betrug diese Zahl im Jahre 2008 schon über 3,2 Millionen. Nach einer ersten Durchsicht der Fachliteratur zur atypischen Beschäftigung in Polen kann man zu dem Schluss kommen, dass diese sich in der Regel auf die Klassifizierung der atypischen Beschäftigung in Polen konzentriert und ggf. den Nutzen und die Kostenfrage derartiger Beschäftigungsformen diskutiert. Es herrscht ein gewisses definitorisches Chaos, es fehlt eine allgemeingültige Typologie. Bislang wird die wachsende Tendenz der Änderung und Ergänzung des Arbeitsrechts durch zivilrechtliche Vertragsformen – besonders für Berufsanfänger – in Polen unter dem polemischen Schlagwort „Wegwerfverträge“ (umowy śmieciowe) diskutiert. Hinter diesem Schlagwort verbirgt sich jedoch die Kritik sehr unterschiedlicher Phänomene, angefangen von der Untergrabung des Kündigungsschutzes bis hin zu Erscheinungen wie der sog. „Scheinselbständigkeit“. Es ist deshalb für die Bewertung dieser Beschäftigungsformen unerlässlich, eine  gründliche, allgemeine Bestandsaufnahme der neuen Erwerbsformen in Polen durchzuführen, um so die erwähnten Phänomene besser einschätzen zu können. Denn die Mehrheit der Arbeiten hat deskriptiven Charakter. Mit dem vorliegendem Projekt soll versucht werden, die Spezifik des polnischen Arbeitsmarktes zu erkennen, indem er theoretischer und empirischer Analyse unterzogen wird insbesondere im Kontext der Krise und der Zeit nach der Krise von 2008. Das Projekt sieht eine dreidimensionale Analyse vor, bei der sowohl ökonomische, juristische und soziologische Aspekte zum Tragen kommen. Kernanliegen des Forschungsvorhabens ist es, wichtige Problemfelder des sich dynamisch entwickelnden polnischen Arbeitsmarktes zu erschließen, die bislang nur sporadisch oder ansatzweise Berücksichtigung gefunden haben. Zu den zu untersuchenden Fragen gehören: die jeweilige Verbreitung der einzelnen Formen atypischer Beschäftigung – unter besonderer Beachtung der Rechtsgrundlagen für die jeweiligen Verträge, die Branchen- und Berufsstruktur, regionale Disproportionen, das Geschlecht als Entscheidungsfaktor bei der Verbreitung dieser Art von Beschäftigung, die Ursachen atypischer Beschäftigungsformen – Zwang oder Freiwilligkeit, die Risiken dieser Beschäftigungsformen, die gesellschaftlichen Einstellungen gegenüber diesen Beschäftigungsformen. Die Antworten auf diese Fragen liefern zum einen veröffentlichte statistische Sekundär-Daten, vor allem aber die Primär-Daten, die im Rahmen der geplanten Feldforschung gesammelt werden sollen. Das Hauptziel des Projektes ist es, den polnischen Arbeitsmarkt in seiner Differenziertheit und Dynamik theoretisch und empirisch zu analysieren und dabei insbesondere die Regelmäßigkeiten herauszuarbeiten, die auf dem Arbeitsmarkt im Kontext atypischer Beschäftigungsformen zu beobachten sind. Dieses Hauptziel wird durch mehrere Einzelziele zur Überprüfung von Forschungshypothesen operationalisiert.

Kooperation

Internationales Projekt Nein