fdb – Forschungsdatenbank der Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder)

Promotion (Individual doctorate)

Dr. Vera Trappmann: The multi-level Making of Transformation. Nowa Huta as a Prism for Restructuring in the new Europe.

DoktorandIn Dr. Vera Trappmann
Betreuer BetreuerIn Prof. Dr. Anna Schwarz
Zeitraum 1. November 2003 - 3. Februar 2009
Fakultät Kulturwissenschaftliche Fakultät
Lehrstuhl Professur für Vergleichende politische Soziologie

Zusammenfassung

Die Stahlindustrie ist heute eine weltweit dominierende Schlüsselindustrie, die sich vor allem aufgrund des Wirtschaftsbooms in China und Indien einer großen Nachfrage erfreut. Einer der führenden Weltkonzerne Mittal Steel ist schon in den 90er mit seiner Strategie marode Stahlhütten in Osteuropa aufzukaufen und zu sanieren aufgefallen. Die Stahlindustrie hat aber auch in der sozialistischen Planwirtschaft eine zentrale wirtschaftliche Funktion innegehabt, so dass der Übernahmeprozess nicht immer ganz einfach verlaufen ist. An dem Beispiel der Privatisierung und Sanierung osteuropäischer Stahlunternehmen, kann man meines Erachtens sehr gut, zentrale Einflussfaktoren und Konsequenzen der Transformation in Mittel- und Osteuropa studieren.Die Dissertation untersucht Muster der Restrukturierung von ehemals staatlichen und heute privatisierten Unternehmen der Stahlindustrie in Polen und Russland. Ziel der Arbeit ist es, erstens die Einflüsse im Spannungsfeld von Privatisierung, Modernisierung und Transformation zu identifizieren, die zur Restrukturierung der Unternehmen führen. Zweitens werden die Auswirkungen auf die Beschäftigung untersucht. Gezielt gefragt wird nach den Instrumenten der Personalanpassung und wie diese eingebettet sind in die Personalpolitik des Unternehmens. Drittens wird jeweils eine Verbleibsstudie angestrebt, in der die ausgeschiedenen Beschäftigten auf ihrem Weg in eine neue Beschäftigung, in eine Qualifizierungsmaßnahme oder in die Arbeitslosigkeit begleitet werden. Mittels biographischer Interviews werden die individuellen und beschäftigungspolitischen Folgen der Restrukturierung herausgearbeitet. Viertens wird der lokale Arbeitsmarkt untersucht, um den Kontext zu verstehen, in dem der Arbeitsplatzabbau verläuft und außerbetriebliche Unterstützungsstrukturen zu erheben. Alle vier Teilbereiche sollen in der Gesamtschau zu einem verbesserten Verständnis eines zentralen Aspekts sozio-ökonomischer Transformation in Mittel- und Osteuropa beitragen.Die Stahlindustrie ist als ein Beispiel gewählt worden, weil man an ihr besonders gut erkennen kann, welche Rolle die Internationalisierung der Wirtschaft, die Europäische Union als einflussreicher externer Akteur und die nationalen/lokalen Akteure für die Transformation der Wirtschaft gespielt haben. Gleichzeitig ist der massive Personalabbau ein gutes Untersuchungsfeld für das transformationsbedingte Problem der hohen Arbeitslosigkeit. Hier kann an einem konkreten Beispiel gezeigt werden, welche arbeitsmarktpolitischen Instrumente in der Transformation entwickelt worden sind, welche greifen und wo ein Nachholbedarf an Institutionalisierung besteht. Vor allem im Bereich der sozialen Beziehungen muss man Defizite erkennen. Die Gewerkschaften haben nach ihrer Funktion als soziale Bewegung in Polen, die das System zum Einsturz gebracht hat, und ihrer Aufgabeals Co-Manager in Russland, lange zu keiner wirksamen neuen Rolle als Sozialpartner gefunden. So hat die spezifische Form der sozialen Beziehungen in den beiden Ländern zu Maßnahmen der Restrukturierung geführt, die nur kurzfristig Beschäftigung sichern und keine geeignete nachhaltige Strategie für die Belebung den betroffenen Regionen garantieren.

Finanzierung

Drittmittelgeber Sonstiges
Finanzierungsart
Weitere Drittmittelgeber Europa-Fellow II Programm (10.2003-06.2006), sonst Eigenfinanzierung