fdb – Forschungsdatenbank der Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder)

Forschungsprojekt

Prof. Dr. Konstanze Jungbluth: The impact of current transformational processes on language and ethnic identity: Urum and Pontic Greeks in Georgia

Projektleitung Prof. Dr. Konstanze Jungbluth, Prof. Dr. Stavros Skopeteas, Universität Bielefeld
ProjektmitarbeiterInnen MA Concha Maria Höfler MA Elena Novozhilova
Time span 04/2013 - 12/2016
Fakultät Kulturwissenschaftliche Fakultät
Lehrstuhl Professur für Sprachgebrauch und Sprachvergleich

Zusammenfassung

Die andauernden und tiefgreifenden sozioökonomischen Transformationsprozesse, die seit 20 Jahren im Kaukasus wirken, machen auch vor Sprachgebrauch und ethnischer Identität der dortigen Gemeinschaften nicht Halt. Die international und interdisziplinär zusammengesetzte Forschergruppe teilt das Ziel, ausgehend von den sprachlichen Veränderungen, das Verständnis für die sozialen Folgen der aktuellen Transformationen sowohl innerhalb der Region als auch innerhalb bestimmter Zielländer der Emigration (hauptsächlich Länder der Europäischen Union) zu vertiefen. Das vorliegende Projekt konzentriert sich auf zwei Gemeinschaften, die eine gemeinsame ethnische Identität teilen, aber verschiedene Sprachen verwenden. Daher bilden sie ein ideales Minimalpaar für die Untersuchung der Beziehung zwischen der Sprache und der ethnischen Identität sowie ihrer komplexen Wechselwirkung in aktuellen Transformationsprozessen. Hierbei handelt es sich um: (a) Urum-Sprecher, die sich als Griechen identifizieren und eine Sprache sprechen, die eng mit anatolischen Varietäten des Türkischen verwandt ist; (b) Pontier, die sich als Griechen identifizieren und mit dem pontischen Griechisch eine konservative Varietät des Griechischen sprechen. In den letzten Jahren verließen zahlreiche Mitglieder dieser Gruppen ihre ursprünglichen Siedlungsgebiete, siedelten in die städtischen Zentren Georgiens um und emigrierten von dort in verschiedene Zielländer, zu denen auch Länder der Europäischen Union gehören (das populärste Zielland ist Griechenland). Das Projekt strebt an, die verwendeten Sprachen in drei idealisierten Zuständen (Heimatland; Binnenmigrationsziele; Emigrationsziele in der EU) zu untersuchen, um Erkenntnisse über die gegenwärtigen Entwicklungen zu gewinnen und ihren Einfluss auf den Sprachgebrauch einerseits und auf die zur Konstitution von Gruppenidentitäten verwendeten kommunikativen Praktiken andererseits zu analysieren. Um dieses Ziel zu erreichen, baut das Projekt auf zwei Säulen auf: (a) die Arbeitsgruppe zum Sprachwandel wird eine umfangreiche Textsammlung erstellen und den Einfluss der aktuellen Transformationsprozesse auf den Sprachgebrauch untersuchen. (b) die Arbeitsgruppe zur ethnischen Identität wird qualitative Interviews führen und den Einfluss der aktuellen Transformationsprozesse auf die individuelle und Gruppenidentitätskonstruktion in verschiedenen Kontexten und Ländern untersuchen. Die durch das Projekt erhobenen Daten und die erzielten Ergebnisse werden in einer ganzen Reihe von Formaten zur Verfügung gestellt werden und von einer Gruppe von projektinternen und projektexternen WissenschaftlerInnen analysiert. Das Projekt wird ein Multimediakorpus – einschließlich einer Sammlung kulturell relevanter Texte – erstellen. Dies entspricht dem expliziten Wunsch von Mitgliedern der untersuchten Gruppen nach Dokumentation ihres linguistischen und kulturellen Erbes, das auf Grund der gegenwärtigen sozioökonomischen und Migrationsprozesse sehr gefährdet ist. Dieses Produkt wird der wissenschaftlichen Gemeinschaft für zukünftige Forschung durch das TLA-Archiv zugänglich gemacht. Außerdem wird das Projekt in vier Promotionsarbeiten (eine an der Europa-Universität Viadrina und drei an der Staatlichen Ivane Javakhishvili Universität Tbilisi) und zwei Habilitationen (eine an der Universität Bielefeld und eine an der Staatlichen Ivane Javakhishvili Universität Tbilisi) gipfeln. Die Einblicke beider Arbeitsgruppen werden zu gemeinsamen Publikationen in wissenschaftlichen Zeitschriften führen, welche Kernaspekte bezüglich lexikologischem, morphologischem und syntaktischem Wandel in Situationen des Sprachkontakts sowie bezüglich der Identitätskonstruktion in multilingualen Kommunikationsgemeinschaften gründlich untersuchen werden. Darüber hinaus wird die Kollaboration zwischen deutschen und georgischen Wissenschaftlern durch die Entwicklung eines gemeinsamen Forschungsplans, den intellektuellen Austausch bezüglich Methoden und Theorien in der Linguistik, die gemeinsame Organisation wissenschaftlicher Aktivitäten (ein Workshop und eine Konferenz), die Vorbereitung gemeinsamer Veröffentlichungen und die Zusammenarbeit in der Betreuung der Promotionsabreiten gestärkt. Neben diesen intensiven gemeinschaftlichen Tätigkeiten der deutschen und georgischen Projektmitglieder wird das Projekt ein internationales akademisches Netzwerk durch eine bereits vereinbarte Kollaboration mit renommierten Wissenschaftlern aufbauen (einschließlich griechischer und türkischer Wissenschaftler), die über profunde Kenntnisse in den jeweiligen Sprachen und umfangreiches Fachwissen in den untersuchten Gebieten verfügen.

Abstract

The current socio-economic transformational processes in the Caucasus heavily influence the linguistic practice and ethnic identity of the communities in this region. Research focusing on these changes is crucial in order to understand the social consequences of the current transformations, both within the region itself and also within certain target countries of emigration (mainly countries of the European Union). This project focuses on two communities that share a common ethnic identity but use different languages. They therefore constitute an ideal minimal pair for the study of the relation between language and ethnic identity, as well as their complex interaction with current transformational processes. The two communities are: (a) Urum speakers that identify themselves as Greeks and that speak a language that is closely related to Anatolian varieties of Turkish; (b) Pontic Greeks that identify themselves as Greeks and that speak a conservative variety of Asia Minor Greek. In recent years, many members of these groups left the places of their original settlement, migrated to the urban centres of Georgia, and emigrated from there to various destinations, including countries of the European Union (the so called “target countries” mentioned above, the most popular destination being Greece). The aim of this project is to study the languages used by members of these groups in three idealized stages of migration (homeland; targets of internal migration; targets of emigration in the European Union), so as to gain an understanding of current developments and to observe their impact on lan-guage use and on the communicative practices employed for the constitution of group identities. In order to reach this target, the project builds on two pillars: (a) the working group on language change will create a rich text collection and will study the impact of current transformational processes on language use; (b) the working group on ethnic identity will collect qualitative interviews and study the impact of current processes on personal and group identity construction in different contexts and countries. The results obtained by the project will be made available in a variety of formats, and analyzed by a community of scholars internal and external to the project. The project will compile a multimedia corpus – including a collection of culturally relevant texts – that responds to the desire of members of the groups being investigated for the documentation of their linguistic and cultural heritage, which is strongly endangered due to current socio-economic and migration processes. This product will be made accessible to the scientific community for future research through the TLA archive. Furthermore, the project will culminate in four Ph.D. dissertations (one at European University Viadrina and three at Ivane Javakhishvili Tbilisi State University) and two postdoctoral studies (at the University of Bielefeld and another at Ivane Javakhishvili Tbilisi State University). The insights of both working groups will result in joint publications in scientific journals that will shed light on core issues related to lexicological, morphological, and syntactic change in situations of language contact and on further issues related to the construction of identity in multilingual communities of linguistic practice. The project will further the collaboration between German and Georgian scientists through creation of a common research agenda, intellectual exchange concerning methods and theories in linguistic research, collaborative organization of scientific activities (a workshop and a conference), preparation of joint publications, and cooperation in the supervision of Ph.D. dissertations. Beyond these intensive collaborative activities undertaken by German and Georgian project members, the project will establish an international network of academics through an already agreed upon collaboration with prestigious scientists (including Greek and Turkish scholars) who have a profound knowledge of the respective languages and a high level of expertise in the areas investigated.

Kooperation

Internationales Projekt Ja
Internationales Kooperationsprojekt Prof. Dr. Liana Melikishvili, Prof. Dr. Zaal Kikvidze, Dr. Natia Jalabadze, Prof. Dr. Rusudan Asatiani, Prof. Dr. Marika Jikia, Prof. Dr. Sophia Shamanidi
Kooperationspartner Dr. Alexander Kartosia

Publikationen

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