fdb – Forschungsdatenbank der Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder)

Forschungsprojekt

Dr. Anne Isabel Kraus: Grenzmanagement in triadisch strukturierten Aushandlungsprozessen

Projektleitung Dr. Anne Isabel Kraus, Prof. Dr. Jürgen Neyer (Lehrstuhl für Europäische und Internationale Politik, EUV), Prof. Dr. Albrecht Söllner (Lehrstuhl für Internationales Management, EUV)
ProjektmitarbeiterInnen Yevgen Bogodistov (Graduiertenkolleg "Dynamic Capabilities and Relationships", EUV / German Graduate School of Management and Law, Heilbronn); Imke Kerber (Center for Peace Mediation, EUV); Prof. Dr. Lars Kirchhoff (Wiss. Direktor des Instituts für Konfliktmanagement, EUV); Dr. Ben Wagner (Centre for Internet & Human Rights, EUV)
Time span 01/2014 - 12/2016
Fakultät Forschungsinstitute und -zentren
Lehrstuhl Institut für Konfliktmanagement
Viadrina Center B/ORDERS IN MOTION

Zusammenfassung

Hintergrund

Es gibt eine Vielzahl von Konflikten, die durch bi-/multilaterale Verhandlungen, rechtsstaatliche Verfahren und militärische Interventionen nicht befriedigend beigelegt werden können. Dies können beispielsweise Konflikte zwischen Staaten, Konflikte zwischen Staaten und anderen Akteuren (etwa Investoren) oder aber Konflikte zwischen Interessengruppen innerhalb eines Staates (z.B. politischen und ethnischen Gruppierungen) sein. Triadisch strukturierte Aushandlungsprozesse, bei denen Drittparteien zwischen Konfliktparteien und weiteren Interessenvertretern vermitteln, haben daher in vielen der genannten Konfliktfelder Konjunktur.                                                                                 

Gegenstand

Das Forschungsprojekt nimmt vor diesem Hintergrund das Vorgehen von Drittparteien im Kontext von Friedensprozessen, Investor-State Disputes und Inclusion Policies in den Blick. Drittparteien sind in solchen Aushandlungsprozessen, so unsere Beobachtung, mit verschiedenen Dimensionen von Grenzen konfrontiert, die den Spielraum ihres Einwirkens beschränken. Diese Grenzen und Spielräume – B/Orders in Motion – werden in dynamischen Interaktionsprozessen ständig neu ausgehandelt bzw. aktualisiert, so dass sie sich wechselseitig konstituieren und (neu) ordnen. Folgende Grenzen sind dabei besonders relevant:

A) Kognitive Grenzen: Die jeweiligen Rahmen (Frames) des Wahrnehmens, Erlebens, Erklärens und Bewertens der beteiligten und betroffenen Akteure (inkl. Drittparteien), deren Schnittmengen den Raum der als möglich und akzeptabel wahrgenommenen Einigungen definieren.

B) Normative Grenzen: soziale, rechtliche, moralische, ethische Normen und Regeln bzw. Verhaltenserwartungen aller beteiligten und betroffenen Akteure, die Drittparteien nicht überschreiten wollen, sollen oder dürfen, um ihre Akzeptabilität zu wahren.

C) Methodische Grenzen: Grenzen in den Fähigkeiten, Techniken und Instrumenten von Drittparteien, aufgrund derer Drittparteien Hindernisse im Prozessverlauf (auch kognitiver und normativer Art) nicht überwinden können.

Die Forschung bietet noch keine empirisch und theoretisch hinreichend fundierten Erkenntnisse dazu, inwiefern und auf welche Weise Drittparteien ihren Spielraum zuträglichen Vorgehens an diesen drei Typen von Grenzen ausloten und bestenfalls vergrößern können.

Fragestellung

Daraus ergibt sich die übergeordnete Forschungsfrage, die aus verschiedenen disziplinären Blickwinkeln untersucht wird: Wie können Drittparteien an Grenzen so vorgehen, dass ‚Gutes' passiert?

Forschungspraxis

Das Projekt bündelt Untersuchungen der Friedens- und Konfliktforschung, Rechtswissenschaft, Philosophie, Politikwissenschaft und Wirtschaftswissenschaft zu Drittparteienvermittlungen in unterschiedlichen Handlungskontexten. Als transdisziplinäre Achse werden gemeinsame Kategorien zur Analyse von Grenzen erarbeitet. Um die Anschlussfähigkeit zwischen den Teilprojekten und zu den beforschten Handlungsfeldern zu erhöhen, werden die jeweils in den Teilprojekten maßgeblichen Grundannahmen, Leitwerte, Zielsetzungen und die daraus folgenden forschungspraktischen Implikationen gezielt gemeinsam reflektiert (z.B. Wie erklären, bewerten und adressieren wir Vorgehensweisen von Drittparteien, die Kosten für exkludierte Akteure bewusst in Kauf nehmen?).

Abstract

Background Many conflicts cannot be satisfactorily resolved through bi- and multi-lateral negotiations, legal procedures or military interventions. Such intractable conflicts may include those between states themselves; between states and other actors (such as investors); or between interest groups within a state (for example, political and ethnic groups). Such situations thus generate a great demand for triadic negotiation processes, in which a third party mediates between the parties to a conflict and representatives of other interest groups. Subject In this context, the research project explores inter alia the actions of third parties during peace negotiations, investor-state disputes and inclusion policies. We have observed that third parties in these kinds of negotiation processes are confronted with various types of borders that limit the scope of their influence. Both borders and scope of influence are constantly renegotiated or modified through dynamic interaction processes – that´s what we call B/Orders in Motion –, so that they mutually constitute and (re)organize one another. The following types of borders are particularly relevant here: A) Cognitive boundaries: The frames of perception, experience, interpretation and evaluation of the actors participating in and affected by negotiation processes (including third parties); their overlap defines the scope of possible and acceptable consensual agreements. B) Normative boundaries: social, legal, moral, ethical norms and rules and behavioral expectations of all participating and affected actors, which third parties should respect if they wish to preserve their own acceptability. C) Methodological boundaries: limitations in skills, techniques and instruments available to third parties that make third parties capitulate in the face of difficult situations in facilitating a negotiation process (also due to cognitive and normative limitations). Research does not yet provide empirically and theoretically sufficient knowledge about the extent to which and manner in which third parties can best assess and expand their approach, relative to the degree of flexibility within these three types of boundaries. Research Question From this emerges the research question that is to be investigated from the perspectives of various disciplines: How can third parties proceed along borders in such a way that "good" is promoted? Methodical Approach The project brings together the fields of peace and conflict studies, law, philosophy, political science and economics with studies of third party mediation in various contexts. General categories for the analysis of borders are developed in order to use a common trans-disciplinary analytical grammar.

Kooperation

Internationales Projekt Ja
Internationales Kooperationsprojekt Dr. Simon Mason (Mediation Support Team, Center for Security Studies, ETH Zürich); Prof. Philip Spencer (Helen Bamber Centre for the Study of Rights, Conflict and Mass Violence/Faculty of Arts and Social Sciences, Kingston University London)

Publikationen