fdb – Forschungsdatenbank der Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder)

Forschungsprojekt

Prof. Dr. Werner Benecke: Dimensionen der Displaced Persons Forschung. Workshop für Nachwuchswissenschaftler_Innen

Projektleitung Prof. Dr. Werner Benecke
Lehrstuhl

Zusammenfassung

Auch 26 Jahre nachdem Wolfgang Jacobmeyer mit seinem Werk "Vom Zwangsarbeiter zum Heimatlosen Ausländer" das Feld der Displaced Persons Historiographie eröffnet hat, sind die Forschungen zu diesem Themenkomplex noch recht überschaubar. Das liegt keinesfalls daran, dass mit Jacobmeyers zweifellos aussagekräftiger Studie schon alle Fragen beantwortet wären, expliziert er doch in seiner Einleitung, eine Grundlage für weitere Forschungen zu Sozialstrukturen, Lagergeschichten und –verhältnissen und regionalgeschichtliche Wirkungen legen zu wollen. In den folgenden Jahren erschienen tatsächlich etliche regionalhistorische Studien, sowie Monographien, die sich vor allem mit jüdischen Displaced Persons in den westlichen Besatzungszonen, und der Zwangsrepatriierung sowjetischer DPs beschäftigen. Aktuell betrachtet Atina Grossmann die (jüdische) DP-Thematik aus der Perspektive der Geschlechtergeschichte und bereichert das Forschungsfeld damit ungemein. Mit dem Wandel des historiographischen Zeitgeistes und im Zuge einer Reihe kulturwissenschaftlicher Turns haben sich zahlreiche weitere Erkenntnisinteressen ergeben. Darüber hinaus hat sich das Quellenspektrum durch Zugang zu Archiven in den Ländern des ehemaligen Ostblocks und die Öffnung des Internationalen Suchdienstes für die historische Forschung erheblich vergrößert. Nicht zuletzt macht die sehr asymmetrische Verteilung von wissenschaftlichen Schlaglichtern innerhalb des Feldes der DP-Forschung weitere Arbeiten mit neuen Ansätzen wünschenswert. Die Untersuchung der Geschichte von Displaced Persons als Nachklang des Zweiten Weltkrieges steht dabei einerseits im Einfluss der NS-Forschung, bietet jedoch auch zahlreiche Anknüpfungspunkte an andere Forschungsfelder. Beispielsweise bietet sich eine Integration entsprechender Forschungsfragen in die globale Migrationsforschung, in die deutsche Nachkriegsgeschichte, in die Untersuchung von Diaspora-Gemeinschaften und die Geschichtsschreibung des Kalten Krieges an. Der Schwebezustand zwischen Weltkrieg und Nachkriegsordnung, in dem sich die Geschichte der Displaced Persons abspielte, spiegelt sich demnach in der wissenschaftlichen Beschäftigung mit diesem Thema wider. Daher ist ihr auch eine Brückenfunktion für die Epochenwende 1945 immanent.

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