fdb – Forschungsdatenbank der Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder)

Promotion (Individual doctorate)

Dr. Gerd Heinen: Selbst-Handeln bei Epilepsie: Eine subjektwissenschaftliche Grundlegung einer psychosomatischen Epileptologie

DoktorandIn Dr. Gerd Heinen
Betreuer BetreuerIn Prof. Dr. Hartmut Schröder
Zeitraum 1. November 2009 - 24. April 2013
Fakultät Kulturwissenschaftliche Fakultät
Lehrstuhl Lehrstuhl für Sprachgebrauch und Therapeutische Kommunikation

Zusammenfassung

Kernthese des Buches ist, dass Ziel einer jeden Therapie bei chronischen Erkrankungen sein muss, die Handlungsfähigkeit von Menschen zu erweitern, damit sie besser mit einer Krankheit leben können. Welche konkreten Handlungsmöglichkeiten bestehen und wie sie für die Epilepsietherapie fruchtbar gemacht werden können, wird im ersten Teil des Buches beschrieben. Hier wird auf subjektwissenschaftlicher Basis ein psychosomatischer Epilepsiebegriff entwickelt. Im zweiten Teil werden mittels Praxisforschung gesellschaftlich geschaffene Bedingungen identifiziert, die gegenwärtig die Einbeziehung verhaltensmedizinischer Behandlungsansätze in die Epilepsietherapie behindern. Im Mittelpunkt der Analyse steht ein pathophysiologischer Epilepsiebegriff, den der Autor als medizinische Ideologie beschreibt. Diese Ideologie schränkt sowohl die Bewältigungsressourcen von Menschen mit Epilepsien als auch die Behandlungsmöglichkeiten von Ärzten und anderen Professionellen ein und verstärkt krankheitsfördernde Sekundärprozesse. Im dritten Teil entwickelt der Autor eine Praxistheorie der Epileptologie, die der Frage nachgeht, wem eine solche medizinische Ideologie eigentlich nützt. Das Buch möchte an erster Stelle Personen, die unter epileptischen Anfällen leiden gesellschaftliche Hintergründe vermitteln, warum sie derzeit so und nicht anders medizinisch beraten und behandelt werden. An zweiter Stelle soll es Professionellen im Bereich der Epileptologie helfen, ihr alltägliches Handeln zu hinterfragen, um eine interdisziplinäre Vision von einer ideologiefreien, wissenschaftlichen Epileptologie zu entwickeln. Nicht zu letzt soll am Beispiel der Epileptologie eine Diskussion darüber angeregt werden, welche gesellschaftlichen Voraussetzungen es braucht, damit eine tatsächlich evidenzbasierte Medizin, die Gesundheit von Menschen fördern kann. Mit dem Buch ist es gelungen, eine komplexe Thematik leicht verständlich darzustellen. Es eröffnet einen anderen, kritischen Blick auf die gegenwärtige Epilepsiebehandlung.

Finanzierung

Drittmittelgeber Eigenfinanzierung EUV
Finanzierungsart