fdb – Forschungsdatenbank der Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder)

Forschungsprojekt

Prof. Dr. Christoph Brömmelmeyer: Effektivität als Rechtsprinzip der Europäischen Union

Projektleitung Prof. Dr. Christoph Brömmelmeyer, Prof. Dr. Matthias Pechstein, Prof. Dr. Carsten Nowak
ProjektmitarbeiterInnen Vivien Pawloff
Time span 01/2015 - 12/2015
Fakultät Juristische Fakultät
Forschungsinstitute und -zentren
Lehrstuhl Lehrstuhl für Bürgerliches Recht und Europäisches Wirtschaftsrecht
Viadrina Center B/ORDERS IN MOTION

Zusammenfassung

Das Forschungsprojekt „Effektivität als Rechtsprinzip der Europäischen Union" untersucht die Eigendynamik der EU als Rechtsgemeinschaft. Die EU respektiert die Mitgliedstaaten zwar als "Herren der Verträge", steht jedoch gleichzeitig für eine "immer engere Union der Völker Europas". Der EuGH hat die europäische Integration auf dieser Basis offensiv vorangetrieben: Er hat das Recht der (heutigen) EU unter Berufung auf den Effektivitätsgrundsatz unmittelbar und (gegenüber den Rechten der Mitgliedstaaten) vorrangig angewandt. Daher konnte sich das Europäische Recht ohne Rücksicht auf die Integrität und die Kohärenz der nationalen Rechtsordnungen durchsetzen. Die Evolution des Europäischen Rechts und die damit verbundene Dynamik des Integrationsprozesses stoßen jedoch an ihre Grenzen.  Die Fliehkräfte (in einem Europa der 28) sind so stark geworden, dass die rechtliche durch eine politische Dynamik ersetzt oder ergänzt oder die Macht neu und anders verteilt werden muss. Der Effektivitätsgrundsatz muss im politischen, gesellschaftlichen und ökonomischen Kontext des 21. Jh. neu vermessen werden. Die Krise der EU, die sich insb. im Erfolg populistischer Parteien bei der Europawahl 2014 spiegelt, spricht dafür, dass die Expansion des Europarechts ohne Rücksicht auf die Akzeptanz der Völker Europas auf immer größeren Widerstand stößt; so gesehen gefährdet der Effektivitätsgrundsatz nicht nur sich selbst, sondern auch die Idee der europäische Integration als solche. Deswegen ist der Effektivitätsgrundsatz rechtswissenschaftlich neu zu bewerten und auszuleuchten. Das Spannungsverhältnis zwischen der unionsfreundlichen Logik des Rechts und der souveränitätsbewahrenden (autonomie-schonenden) Logik der Politik der Mitgliedstaaten ist politologisch zu untersuchen. Die Frage der ökonomisch sinnvollen Arbeitsteilung in Europa ist wirtschaftswissenschaftlich neu zu stellen.

Abstract

The research project "effectiveness as a principle of EU law" analyses the dynamics of the EU as a legal community. The EU is respecting its Member States as masters of the Treaty. But at the same time it is aiming for a closer community of people. Based on that, the European Court of Justice has advanced European integration: It has applied EU law directly and prior towards national law by applying the principle of effectiveness. As a consequence, EU law has been established without being considerate of the integrity and coherency of national legal systems. This evolution of EU law and the dynamic of this process of integration are now reaching boundaries. The centrifugal forces have become so strong (in a Union of 28 Member States), that the current legal dynamic has to be substituted or supplemented by political one or the political power as such has to be distributed in a new and different way. In this political, economic and social context of the 21st century we have to redefine the principle of effectiveness. The EU crisis, which reflects itself especially in the success of populist parties in the 2014 election, suggest, that the expansion of EU law, irrespective of the acceptance of European people, encounters increasing resistance. This is why the principle of effectiveness is not only endangering itself, but also the idea of European integration as such. From a legal perspective it has to be consequently revaluated. From a politological point of view, the tension between the legal logic, which is open towards the Union, and the political logic of the Member States, which aims to preserve sovereignty, has to be assessed. And from an economic point of view, the question of an economically reasonable division of labor in the European Union has to be asked once again.

Kooperation

Internationales Projekt Nein

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