fdb – Forschungsdatenbank der Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder)

Forschungsprojekt

Prof. Dr. Ines Härtel: KORN: Kosmopolitisches Rechtsregime für Neoernährungssouveränität? Die primären Lebensressourcen im europäischen und globalen Mehrebenensystem in rechtssichernder und rechtsdynamischer Verbundperspektive

Projektleitung Prof. Dr. Ines Härtel
Time span 01/2015 - 12/2015
Fakultät Juristische Fakultät
Forschungsinstitute und -zentren
Lehrstuhl Lehrstuhl für Öffentliches Recht, Verwaltungs-, Europa-, Umwelt-, Agrar- und Ernährungswirtschaftsrecht
Viadrina Center B/ORDERS IN MOTION

Zusammenfassung

Zentraler Kern des rechtwissenschaftlichen Projektes KORN ist die außerordentlich gestiegene Bedeutung des Agrar- und Lebensmittelsektors und des darauf bezogenen Rechts. Die Gewährleistung der Versorgung mit Nahrungsgütern in Quantität und Qualität einschließlich der Lebensmittelsicherheit gehört zu der existentiellen Infrastruktur menschlichen Daseins, die durch spezifische rechtliche Regelungsstrukturen geordnet ist und künftig erheblich weiterentwickelt werden muss.

Jeder Mensch ist auf Selbsterhaltung angelegt und damit elementar auf die Mittel zum Leben, die Lebensmittel, angewiesen. Normativ gesehen führt dieser anthropologische Imperativ zum Menschenrecht auf Nahrung. Dessen Umsetzung  gestaltet sich aktuell sehr differenziert – Wohlstandsgesellschaften mit differenziertem Lebensmittelkonsum bei hohen Qualitätsstandards (Deutschland) stehen Gesellschaften mit anwachsenden Mittelschichten (China) sowie ärmere Länder mit unzureichender Versorgung gegenüber (afrikanische Staaten). Der Kampf gegen Hunger und Mangelernährung gehört – auch angesichts der wachsenden Weltbevölkerung – zu den zentralen Millenniums- und Nachhaltigkeitszielen der UN.

Über die regionale und nationale Erzeugung hinaus sind heute die agrar- und lebensmittelbezogene Produktion, Distribution und Konsumtion in hohem Maß globalisiert und strukturell in weltweiten Wertschöpfungsketten verflochten. Diese unterliegen zudem einem rasanten Strukturwandel durch wissenschaftliche Erkenntnisse und Digitalisierung der Welt (3. Agrarrevolution). All diese Prozesse machen das Problem neuer Ernährungssouveränität virulent und führen zu gewichtigen Anfragen an bisherige rechtliche Regelungen im nationalen/europäischen wie globalen Kontext. Rechtliche Kohärenzen einerseits, fragmentierte Rechtsformen andererseits fügen sich hier bisher nicht zu einem notwendigen kosmopolitischen Rechtsregime. Hier setzt das Projekt forschungsstrategisch an.

Die neuen grundlegenden rechtlichen Regelungsbedürfnisse der primären Lebensressourcen erfordern dabei einen Mehrebenenansatz, der die nationalen, europäisch-supranationalen und global-transnationalen Bezugssysteme im Recht differenziert einbezieht. Unter Einbezug interdisziplinärer Erkenntnisse können Strukturen, Disparitäten/Interdependenzen und Problemlagen neuer Ernährungssouveränität erfasst werden, die der rechtlichen Aufschließung, Bearbeitung und Gestaltung bedürfen. Hinzu tritt die Identifizierung neu entstehender Rechtsformen im Hard Law wie Soft Law mit unterschiedlichen Verbindlichkeitsgraden. Das Projekt KORN dient damit über den bedeutsamen Agrar-, Lebensmittel- und Ernährungssektor hinaus auch der Klärung allgemeiner spannender Rechtsfragen.

Abstract

The core of the legal project KORN is the extraordinarily increased importance of the agri-food sector and the corresponding law. Ensuring the supply of food in regard to quality and quantity and guaranteeing food safety are essential for the infrastructure of human existence. This field is regulated by law and has to be significantly developed. Self-preservation is vital for every human being. In a normative way this anthropological imperative leads to the human right to food. Currently, the implementation of this right is handled in different ways. One has to take into account that affluent societies with sophisticated food consumption and high quality standards (e.g. Germany) are facing societies with growing middle classes (e.g. China) as well as poor countries with insufficient food supply (e.g. African States). The fight against hunger and malnutrition is – also considering the growing world population – a main task of the UN Millennium and Sustainable Development Goals. In surpassing regional and national production, the agricultural and food production as well as distribution and consumption are highly globalized and global supply chains are structurally intertwined. They are subject to a rapid structural change due to new scientific findings and the digitalization of the world (Third Agrarian Revolution). All these processes make the problem of a new food sovereignty obvious and lead to important questions in regard to the current legal regulation in the national/European and global context. Legal coherences on the one hand and fragmented legal structures on the other hand have not yet merged to an urgently needed legal regime. That is where this project seeks to make a difference. The new fundamental legal needs for regulating the primary living resources require a multi-level approach which takes into account the national, European-supranational and the global-transnational legal reference systems. Taking into consideration interdisciplinary findings, it can be recognized that structures, disparities/interdependencies and problems of a new food sovereignty require a legal handling and shaping. In addition, new legal forms regarding soft and hard law with different levels of obligation will be identified. The project KORN thus does not only answer specific question with respect to the agri-food sector, but it does also resolve existing general legal questions.

Kooperation

Internationales Projekt Nein