fdb – Forschungsdatenbank der Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder)

Forschungsergebnis (Zeitschriftenartikel)

Anna Schwarz, Isabell Hensel, Jochen Koch, Eva Kocher: Crowdworking als Phänomen der Koordination digitaler Erwerbsarbeit – Eine interdisziplinäre Perspektive

Zusammenfassung

Die Koordinationsformen von Erwerbsarbeit erfahren durch neue digitale Technologien grundlegende Veränderungen, die allerdings erst ansatzweise und zumeist nur in einzeldisziplinärer Perspektive betrachtet, analysiert und verstanden werden. So wird das Phänomen des Crowdworking oft reduziert auf ein Sourcing- und Steuerungsproblem bzw. auf Prekarisierungsrisiken arbeitender Subjekte oder aber auf neue rechtliche Regulierungsbedarfe vor dem Hintergrund des Ideals eines Normalarbeitsvertrages. In dieser Weise lässt sich – so unsere Überlegung – das potenziell Neue des Crowdworking kaum adäquat erfassen. In diesem Beitrag entwickeln wir einen komplexeren Begriff des Crowdworking, der organisations-, subjekt- und rechtstheoretische Perspektiven zusammenführt und einen alternativen Analyse- und Deutungsrahmen für dieses neue Phänomen anbietet. Dabei fragen wir nach den Möglichkeiten und Grenzen wechselseitiger Steigerungsverhältnisse von Autonomie, Kontrolle, Flexibilität und Stabilität in Bezug auf das Verhältnis von Organisation, Subjekt und Recht und eröffnen damit sowohl einen neuen analytischen Zugriff als auch eine normative Sicht auf Crowdworking, indem die Koordinationspraxis von digitalen Crowds als emergente Ordnungsformen in den Mittelpunkt gerückt wird.

Abstract

New digital technologies have brought about major changes in the forms of employment coordination. Yet, to date, this shift has been only partially studied and mostly from a single disciplinary perspective. That is why in analyses, the phenomenon of crowd working is often reduced to a sourcing problem for management, a precarity risk for workers or a judicial field in need of new legal regulation (on the basis of the ideal of the conventional labour contract). We argue that this does not enable the innovative character of crowd working to be fully captured. Consequently, in this paper we develop a more complex perspective on crowd working which combines organizational, subject-focused and legal-theoretical analyses. Thereby we focus on the potential reciprocal reinforcement of autonomy, control, flexibility and stability. Furthermore, we introduce both a new analytical and a new normative perspective by putting centre stage the coordination practices of digital crowds as emergent forms of order.

Autor Anna Schwarz, Isabell Hensel, Jochen Koch, Eva Kocher
Titel des Aufsatzes Crowdworking als Phänomen der Koordination digitaler Erwerbsarbeit – Eine interdisziplinäre Perspektive
Jahr 2016
Zeitschrift Zeitschrift Industrielle Beziehungen
Ausgabe / Nummer Jahrgang 23, Heft 2
Seiten 162-186

Einordnung in die Universitätsstruktur

Fakultät Kulturwissenschaftliche Fakultät
Lehrstuhl Professur für Vergleichende politische Soziologie
Forschungsprojekt Koordination selbständiger Unselbständigkeit: Erwerbsarbeit jenseits der Organisation im digitalen Zeitalter

Bibliographische Angabe

Anna Schwarz, Isabell Hensel, Jochen Koch, Eva Kocher: Crowdworking als Phänomen der Koordination digitaler Erwerbsarbeit – Eine interdisziplinäre Perspektive. In: Industrielle Beziehungen Jahrgang 23, Heft 2, 2016, S. 162-186.